Hyperkaliämie unter Behandlung mit einem Sartan und einem NSAR
Hyperkaliämie unter Behandlung mit einem Sartan und einem NSAR
Sartane und NSAR können aufgrund ihres Wirkmechanismus zu einer Hyperkaliämie beitragen. Als Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten hemmen Sartane die Wirkung von Angiotensin II und somit die dadurch bedingte Vasokonstriktion sowie die Freisetzung von Aldosteron, was zu einer Blutdrucksenkung führt.
Gleichzeitig kann aufgrund der verminderten Aldosteronfreisetzung die renale Kaliumausscheidung reduziert werden, was das Risiko einer Hyperkaliämie erhöht. NSAR hemmen die Bildung von Prostaglandinen. Dadurch wird zum einen die Synthese von Prostacyclin gehemmt, das kaliuretisch wirkt, und zum anderen der renale Blutfluss verringert, was sowohl das distale Natriumangebot reduziert als auch indirekt die Aldosteronwirkung beeinträchtigt.
Die Kombination mehrerer Arzneimittel, die eine Hyperkaliämie verursachen können, erhöht das Risiko für diese unerwünschte Wirkung. Besonders zu beachten ist dieses Risiko, wenn weitere Faktoren vorhanden sind, die eine Hyperkaliämie begünstigen.
Sartane, Valsartan, Acemetacin, NSAR, Hyperkaliämie, Elektrolytstörungen
Daten Ereignis |
Beschreibung |
Jahr: 2024 Alter: Senioren Geschlecht: weiblich Arzneimittel: Sartane, NSAR Wirkstoffe: Valsartan, Acemetacin Indikation: Arterielle Hypertonie, Analgesie UAW: Hyperkaliämie Outcome: Recovered |
Im Rahmen der stationären Aufnahme einer Patientin im höheren Alter nach einem nicht-synkopalen Sturzereignis wurde eine schwere Hyperkaliämie von 6.8 mmol/l festgestellt. Gleichzeitig waren der gemessene CK-, Natrium-, Kreatinin-/GFR- und pH-Wert normwertig. Zu ihrer Hausmedikation gehörte neben Valsartan 240 mg täglich auch das NSAR Acemetacin, das sie seit mehreren Jahren wohl regelmässig (bis zu täglich) eingenommen hatte. Bereits ein Monat vor der aktuellen Hospitalisation war eine leichte Hyperkaliämie von 5.2 mmol/l unter dieser Kombinationstherapie aufgetreten und Valsartan passager pausiert worden. Aufgrund einer zusätzlich diagnostizierten orthostatischen Dysregulation wurde Valsartan aktuell schliesslich abgesetzt. Nach Gabe von Furosemid und Natriumpolystyrensulfonat (Resonium® A) konnte eine rasche Normalisierung der Kaliumwerte erreicht werden. |
Fazit und Empfehlung
In den Fachinformationen von Sartanen wird Hyperkaliämie als mögliche unerwünschte Arzneimittelwirkung oder unter Warnhinweisen und Vorsichtsmassnahmen ausdrücklich erwähnt. Je nach Wirkstoff wird zusätzlich auf eine regelmässige Überwachung des Serumkaliumspiegels hingewiesen.
Auch die Fachinformation von Acemetacin weist unter Warnhinweisen und Vorsichtsmassnahmen auf Erhöhungen der Kaliumkonzentration im Serum einschliesslich Hyperkaliämie hin, bei einigen Patienten auch ohne vorbestehende Beeinträchtigung der Nierenfunktion. Zudem wurden diese Effekte bei Patienten mit normaler Nierenfunktion einem Hyporenin-Hypoaldosteron-Zustand zugeschrieben.
Bei neu aufgetretener Hyperkaliämie sollten die eingenommenen Arzneimittel als mögliche Ursache in Betracht gezogen werden. Neben kaliumsparenden Diuretika und Kalium-haltigen Präparaten kommen u.a. auch Sartane und NSAR in Betracht, wobei im oben beschriebenen Fall die Kombination der hohen Valsartan-Dosis mit dem NSAR ursächlich für die Hyperkaliämie gewesen sein kann.
Literaturquellen:
Schweizer Fachinformation
Gesetzliche Meldepflicht unerwünschter Arzneimittelwirkungen (UAW) durch medizinische Fachpersonen
In der Schweiz müssen medizinische Fachpersonen, die zur Abgabe oder Anwendung von Arzneimitteln berechtigt sind, schwerwiegende und/oder bislang nicht bekannte Nebenwirkungen melden. Meldungen an Swissmedic können mit dem Elektronischen Vigilance-Meldeportal «ElViS» erfasst und übermittelt werden (ElViS-Login).